CHRISTOPHORUS 10 - Rettung
Wie hilft Christophorus 10
eigentlich? Was macht der Notarzt? Was macht der Flugrettungssanitäter?
Die Antworten auf diese Fragen finden Sie hier.
Die
Arbeit des Notarztes:
Die Vorbereitungszeit beträgt im Schnitt 14 Minuten. 14 Minuten von der
Anforderung des Christophorus-Notarzthubschraubers bis zum Eintreffen am
Notfallort kann sich der Notfallmediziner auf seine kommende Tätigkeit
einstellen. Grobe Informationen über Unfallart und zu erwartendes
Verletzungsmuster hat zwar der Leitstellendisponent anhand der Angaben der
Alarmierung schon durchgegeben, die Situation vor Ort sieht aber oft viel
dramatischer aus.
Stabilisierung
Einen Patienten aus drohender
Gefahr für sein Leben zu retten oder vor weiterer, schwerer Schädigung zu
bewahren, so lautet die Hauptaufgabe des Notfallmediziners. Dies umfasst
zunächst die Sicherung der Vitalfunktionen ("Lebensfunktionen") Atmung,
Kreislauf und Bewusstsein und die Herstellung der Transportfähigkeit. Da die
Versorgung des Organismus mit Sauerstoff höchste Priorität hat, wird der Notarzt
oder sein Notfallsanitäter dem Patienten diesen in hoher Konzentration über eine
entsprechende Gesichtsmaske verabreichen. Bei Bewusstlosigkeit, gestörter
Atemmechanik oder schwerer Lungenschädigung kann zur Sicherstellung einer
adäquaten Sauerstoffversorgung auch die Einleitung einer künstlichen Beatmung
erforderlich werden. Dazu wird der Notarzt den Patienten, wenn nötig, in Narkose
versetzen, um ihn intubieren, das heißt einen Beatmungsschlauch in die Luftröhre
einbringen zu können. Über diesen kann dann, ähnlich wie an der Intensivstation,
mit einem modernen Notfallbeatmungsgerät die künstliche Beatmung erfolgen.

Infusionen
Gibt es Kreislaufprobleme, wie
dies nach Unfällen mit entsprechendem Blutverlust häufig der Fall ist, werden
Infusionen verabreicht. Dazu erhält der Patient einen dünnen Kunststoffschlauch
als Venenkatheter, über den Infusionslösungen und Medikamente direkt in den
Blutkreislauf eingebracht werden können.
Blutverlust
Als Ersatz für den Blutverlust
werden heute vor allem Elektrolytlösungen und/oder Plasmaexpander (meist aus
Maisstärke hergestellt) eingesetzt. Diese Lösungen stabilisieren für die meist
relativ kurze Prähospitalphase (= Zeit vom Eintreffen des Notarztes bis zur
Übergabe im Zielkrankenhaus, bei Einsatz der ÖAMTC-Hubschrauber derzeit nur etwa
30 Minuten !) den Kreislauf und bewahren so den Organismus vor den Folgen eines
Blutungsschocks (Nieren-, Lungen-, schließlich Multiorganversagen). In nicht
allzu ferner Zukunft wird es auch Lösungen geben, die eine der wesentlichsten
Funktionen des Bluts übernehmen können, nämlich Sauerstoff zu den Zellen des
Organismus zu transportieren. Dies ist heute noch nicht mit ausreichender
Sicherheit möglich.
Spezifische Maßnahmen
Diese allgemeinen
Therapieprinzipien - Optimierung der Sauerstoffversorgung, Sicherung des
Atemwegs durch Intubation, Infusionstherapie zur Stabilisierung des Kreislaufs -
werden je nach Erfordernis durch spezifische Maßnahmen ergänzt. So kann es z.B.
bei schweren Verletzungen des Brustkorbs mit Entwicklung eines Pneumothorax
(Kollaps der Lunge) notwendig werden, noch am Unfallort eine Notoperation
durchzuführen. Ein solcher Eingriff ist, wenn notwendig, absolut lebensrettend -
ohne die Eröffnung des Brustkorbs und das Einlegen eines Drainageschlauchs würde
der betroffene Patient Gefahr laufen, noch vor dem Eintreffen im Spital zu
versterben.

Herzinfarkt
Aber auch in der Behandlung akuter
Erkrankungen ist der Einsatz des Notarztes oft lebensrettend. Ein gutes Beispiel
hierfür ist der Herzinfarkt. Dabei verschließt ein Blutgerinnsel ein das Herz
mit Blut versorgendes Herzkranzgefäß, was in der Folge zu akutem
Sauerstoffmangel und Absterben des betroffenen Herzmuskelabschnitts führt. Je
nach Lokalisation können sich dabei rasch lebensbedrohliche Komplikationen
einstellen, vom Herzversagen mit Ausbildung eines Lungenödems und Schock bis hin
zu Herzrhythmusstörungen, die einen Kreislaufstillstand verursachen können.
Durch rasche Intervention mittels allgemeiner und spezieller Medikamente kann
der Notarzt den Zustand des Patienten meist stabilisieren. Es ist heute sogar
möglich, das Blutgerinnsel, welches zum Infarkt führt, durch Medikamente
aufzulösen und so die Durchblutung des Herzens wiederherzustellen. Diese
Therapie, die sogenannte "präklinische Lyse", ist heute ebenfalls an allen
Hubschraubern des ÖAMTC möglich.
Im Falle von Kammerflimmern, ebenfalls einer typischen Komplikation des
Herzinfarkts, ist eine sofortige Defibrillation angezeigt. Dabei wird über auf
den Brustkorb angelegte Elektroden ein Stromstoß verabreicht, der das Herz
wieder zu rhythmischer Aktivität bringen soll. Auch hier gilt: je früher diese
Therapie eingesetzt wird, um so erfolgversprechender ist sie. Diese Behandlung
ist selbstverständlich - entgegen häufig gehegter Befürchtungen - auch an Bord
eines modernen Notarzthubschraubers wie der EC 135 möglich, und zwar in jeder
(!) Phase des Fluges.
Schonender Transport
Gerade bei akuten,
lebensbedrohlichen Erkrankungen bietet der Hubschrauber eine Option, die ihn in
manchen Fällen dem bodengebundenen Notarztrettungsmittel (NAW bzw. NEF)
überlegen macht: es ist dies der rasche Transport in ein für den jeweiligen
Patienten optimal geeignetes Krankenhaus.
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Text: teilweise (c) ÖAMTC
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